Können Multivitamine die Alterung des Gehirns verlangsamen? Wissenschaft weist auf überraschende Daten bei älteren Menschen hin
Seit Jahren ist die Welt der Ernährung ganz klar: Gesunde Menschen brauchen keine Multivitamine, und das meiste, was man zu sich nimmt, passiert den Körper einfach ohne Nutzen. Das mag zwar für viele Nahrungsergänzungsmittel und Altersgruppen immer noch gelten, aber wenn es um die Gesundheit des Gehirns im Alter geht, zeigen neuere Forschungen, dass die Rechnung hier ein wenig anders aufgeht.
Ein Multivitaminpräparat ist zwar kein Wundermittel für das Gedächtnis, aber es erweist sich als ein sehr wirksamer und unauffälliger Schutzschild. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen groß angelegten Studie.
Zwei Jahre jüngeres Gehirn
Harvard-Forscher beschlossen, die Wirkung eines gängigen Multivitamins auf die kognitiven Funktionen zu testen. An der Studie nahmen mehr als 5.000 ältere Erwachsene teil, die sie in zwei Gruppen aufteilten. Eine Gruppe erhielt täglich ein herkömmliches Multivitaminpräparat, die andere nur ein unwirksames Placebo (Zuckerpille). Die Studie war verblindet, so dass niemand genau wusste, was er zu sich nahm.
Nach zwei bis drei Jahren unterzogen sich beide Gruppen einer Reihe von kognitiven Tests und Gedächtnistests. Die Ergebnisse waren sehr einheitlich:
- Die Multivitamingruppe erinnerte sich deutlich besser an bestimmte Informationen.
- Sie erinnerten sich besser an Namen, Ereignisse und neu gelernte Dinge.
- Die Forscher schätzten, dass die tägliche Einnahme eines Multivitamins zu Ergebnissen führte, die einem etwa zwei Jahre jüngeren Gehirn entsprachen.
Dieser Unterschied wurde in mehreren Testrunden und bei verschiedenen Teilnehmergruppen bestätigt.
Warum funktioniert es? Es geht darum, die Lücken aufzufüllen
Das Geheimnis dieses Erfolges liegt nicht in irgendeiner Wunderwaffe oder extremen Dosierung. Der Nutzen der Studie ergab sich aus dem grundlegendsten Prinzip: Sicherstellen, dass Sie genügend essenzielle Nährstoffe zu sich nehmen.
Mit zunehmendem Alter verliert unser Körper an Leistungsfähigkeit. Dazu gehört auch die Fähigkeit, Vitamine und Mineralien aus der Nahrung aufzunehmen. Hand aufs Herz, die wenigsten von uns ernähren sich absolut perfekt.
Nährstoffe wie B-Vitamine, Vitamin D und Zink spielen nachweislich eine wichtige Rolle für die Funktion und den Schutz der Gehirnzellen. Wenn der Spiegel dieser Stoffe sinkt, können die kognitiven Funktionen abnehmen. Ein tägliches Multivitaminpräparat tut also nichts anderes, als diese entstehenden Lücken zu schließen und den Motor reibungslos laufen zu lassen.
Für wen ist es sinnvoll?
Es ist wichtig, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben. Die Ergebnisse der Studie sind zwar unbestreitbar, aber der Nutzen ist eher bescheiden. Ein Multivitaminpräparat ist kein Heilmittel gegen Gedächtnisverlust und kann schwere degenerative Krankheiten nicht aufhalten.
Diese Studie ist vor allem für Erwachsene ab 60 Jahren von Bedeutung, da diese Bevölkerungsgruppe im Laufe der Zeit am stärksten von Ernährungsmängeln betroffen ist.
Die wichtigsten Punkte zum Schluss:
- Es geht nicht um Megadosen: Die Vorteile ergeben sich nicht aus übermäßigen Mengen an Vitaminen, sondern aus einer konsequenten Supplementierung in bioverfügbarer Form.
- Kosten-Nutzen-Verhältnis: Wenn Sie über 60 Jahre alt sind, ist ein tägliches Multivitaminpräparat eine der kostengünstigsten Nahrungsergänzungen, die Sie zur Vorbeugung einsetzen können.
- Langfristig: Erwarten Sie nicht, dass Sie nach einer Woche der Einnahme eine Veränderung spüren. Es ist eine bescheidene, aber beständige Schutzschicht, die unauffällig im Hintergrund wirkt.
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