Was Fischöl enthält

Fischöl. Zwei Worte, die heute fast synonym mit einem gesunden Lebensstil sind. Die meisten von uns wissen, dass seine Stärke in seinem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren liegt, insbesondere EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure), die für die Gesundheit von Herz, Gehirn und Augen entscheidend sind. Wir kaufen Nahrungsergänzungsmittel in dem Glauben, dass wir unserem Körper das Beste aus der Meereswelt geben. Aber was wäre, wenn wir Ihnen sagen würden, dass der Inhalt einer Kapsel viel komplexer ist? Dass es so etwas wie Fischöl nicht gibt und dass die Qualität absolut entscheidend für seine Wirksamkeit ist?

In diesem Artikel werden wir unter die Oberfläche gehen und mit Hilfe wissenschaftlicher Studien untersuchen, was wirklich in Fischölergänzungsmitteln enthalten ist. Dabei verlassen wir uns nicht auf Werbeaussagen, sondern auf harte Daten aus von Fachleuten überprüften wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Unser Ziel ist es, dass Sie als Verbraucher fundierte Entscheidungen über Ihre Gesundheit treffen können.

Inhalt des Artikels:

Bei der Zusammensetzung geht es nicht nur um Omega-3: Ein vielfältiges Mosaik von Fetten

Zunächst einmal muss man wissen, dass es sich bei Fischöl nicht um eine reine, isolierte Omega-3-Fettsäure handelt. Es ist ein komplexes Gemisch aus verschiedenen Fettarten, vor allem in Form von Triglyceriden. Stellen Sie sich ein Triglycerid als eine kleine "Struktur" vor, in der drei verschiedene Fettsäuren an das Grundgerüst (Glycerin) gebunden sind. Und es ist die Art dieser Fettsäuren, die die Eigenschaften und die Qualität des gesamten Öls bestimmt.

Eine wissenschaftliche Studie, die in PubMed veröffentlicht wurde, befasste sich mit der detaillierten Analyse der Triglyceride in verschiedenen Arten von Fischölen¹. Mit Hilfe eines fortschrittlichen chromatographischen Verfahrens (das im Wesentlichen eine sehr ausgefeilte Technik zur Trennung komplexer Gemische ist) fanden die Forscher heraus, dass das Fettsäureprofil je nach Fischart und Teil des Fisches, aus dem das Öl gewonnen wird, stark variiert.

So wiesen beispielsweise Lebertran aus Kabeljau oder Seeteufel ähnliche Zusammensetzungen auf. Öle aus dem Körper von fetten Fischen wie Makrele, Hering oder Lodde (eine Art kleiner Meeresfische) wiesen dagegen ein völlig anderes und charakteristisches Profil auf. Die Studie ergab, dass einige Fischöle, wie z. B. die von Sardellen oder Sardinen, einen viel höheren Anteil an hochgradig ungesättigten Triglyceriden enthalten - denjenigen, die die am meisten geschätzten Omega-3-Fettsäuren enthalten.

Was bedeutet das für uns? Dass die Herkunft des Öls äußerst wichtig ist. Es spielt keine Rolle, ob das Öl aus Dorschleber oder aus ganzen Sardellenkörpern gewonnen wird. Jede Quelle liefert einen einzigartigen Fettsäurecocktail. Neben den berühmten mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren (PUFAs) enthalten Fischöle auch einfach ungesättigte (MUFAs) und sogar gesättigte Fettsäuren (SFAs). Und hier stoßen wir auf das erste potenzielle Problem.

Die versteckte Bedrohung: Oxidation und ein Übermaß an gesättigten Fettsäuren

Während das Vorhandensein kleiner Mengen verschiedener Fettarten natürlich ist, bringt eine zweite, neuere Studie einige beunruhigende Erkenntnisse über handelsübliche Nahrungsergänzungsmittel² ans Licht. Die Studie untersuchte die drei meistverkauften Fischölmarken in den USA und verglich sie mit verschreibungspflichtigen Omega-3-Fettsäuren. Die Ergebnisse waren überraschend.

Es stellte sich heraus, dass die untersuchten Nahrungsergänzungsmittel mehr als 30 verschiedene Fettsäuren enthielten. Davon waren bis zu 36 % gesättigte Fettsäuren. Das ist deutlich mehr, als ein Verbraucher erwarten würde, wenn er ein Produkt hauptsächlich wegen der Omega-3-Fettsäuren kauft. Das Hauptproblem lag jedoch woanders - in der Oxidation.

Oxidation ist ein Prozess, den wir alle aus der Küche kennen. Er ist der Grund, warum ein Apfel an der Luft braun wird oder warum Öl in einer Pfanne nach einiger Zeit zu riechen beginnt und "ranzig" wird. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie EPA und DHA sind aufgrund ihrer chemischen Struktur sehr anfällig für Oxidation. Sie können bei Kontakt mit Luft, Licht oder Hitze buchstäblich "verderben".

Durch diesen Abbauprozess werden nicht nur wertvolle Omega-3-Fettsäuren zerstört, sondern es entstehen auch neue, potenziell problematische Substanzen - oxidierte Lipide. Die Studie ergab, dass die Gehalte an primären und sekundären Oxidationsprodukten in den getesteten Nahrungsergänzungsmitteln die in den internationalen Qualitätsnormen festgelegten Höchstwerte überschritten. Das verschreibungspflichtige Produkt hingegen erfüllte diese Normen.

Warum ist oxidiertes Öl ein Problem? Ein doppelter Schlag gegen Ihre Gesundheit

Sie denken vielleicht, dass ein wenig "ranziges" Fett nicht schaden kann. Aber Wissenschaftler haben gezeigt, dass es nicht so einfach ist. Die Oxidation hat eine doppelte negative Auswirkung:

  1. Sie verringert die Wirksamkeit: Sie kaufen ein Produkt wegen der positiven Wirkung der Omega-3-Fettsäuren, aber wenn diese Fettsäuren oxidiert sind, gehen ihre positiven Eigenschaften verloren.
  2. Sie kann kontraproduktiv sein: Die Studie ging noch einen Schritt weiter. Unter Laborbedingungen testeten die Forscher die Fähigkeit der Omega-3-Fettsäuren, das "schlechte" LDL-Cholesterin vor Oxidation zu schützen, einen der Schlüsselmechanismen für ihre schützende Wirkung auf die Blutgefäße. Sie stellten fest, dass reine, nicht oxidierte Omega-3-Fettsäuren diesen Schutz mit einer Wirksamkeit von mehr als 95 % gewährleisten können. Eine Mischung aus oxidierten und nicht oxidierten Omega-3-Fettsäuren, die direkt aus kommerziellen Nahrungsergänzungsmitteln isoliert wurden, versagte dagegen in diesem Test.

Mit anderen Worten: Oxidiertes Fischöl bringt nicht nur nicht die erwarteten Vorteile, sondern kann sogar die biologischen Prozesse stören, die wir zu unterstützen versuchen. Sie zahlen für etwas, das im besten Fall nicht funktioniert und im schlimmsten Fall eine Belastung für den Körper sein kann.

Fazit: Qualität ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit

Was können wir aus diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen mitnehmen? In erster Linie, dass man bei der Wahl eines Fischölpräparats unbedingt auf die Qualität achten muss.

  1. Herkunft und Zusammensetzung sind unterschiedlich: Fischöl ist nicht gleich Fischöl. Öle von verschiedenen Fischarten haben eine unterschiedliche Zusammensetzung, und es ist ratsam, Öle von kleinen, fetten Fischen zu bevorzugen, die reich an stark ungesättigten Fettsäuren sind¹.
  2. Oxidation ist ein echter Feind: Viele im Handel erhältliche Produkte können oxidiertes Öl enthalten, das nicht den internationalen Qualitätsstandards entspricht und keine biologische Wirksamkeit besitzt².
  3. Der Preis sollte nicht das einzige Kriterium sein: Ein billiges Produkt kann teuer werden, wenn es aus minderwertigen, oxidierten Rohstoffen hergestellt wird, die nichts für Ihre Gesundheit tun. Die Investition in ein Produkt eines seriösen Herstellers, der Frische, Reinheit und geringe Oxidation garantiert (oft durch Zertifizierungen Dritter bestätigt), ist eine Investition in Ihre Gesundheit.

Erkundigen Sie sich beim Kauf nach der Herkunft des Öls, den Verarbeitungsmethoden und der Prüfung auf Reinheit und Oxidation. Ihr Körper verdient das Beste - nicht nur ein leeres Versprechen in einer glänzenden Kapsel, sondern echte, biologisch aktive, reine Kraft aus den Tiefen des Ozeans.

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Quellen:

  • ¹ Ackman, R. G. (1992). Eine Studie über die Zusammensetzung der Triglyceride von Fischleber und Körperöl. Lipids, 27(8), 624-627.
  • ² Mason, R. P., & Sherratt, S. C. (2017). Omega-3-Fettsäure-Fischöl-Nahrungsergänzungsmittel enthalten gesättigte Fette und oxidierte Lipide, die den beabsichtigten biologischen Nutzen beeinträchtigen können. Biochemical and Biophysical Research Communications, 483(1), 425-429.

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